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Fachreferate von Personen die professionell in der Suchtarbeit tätig sind oder waren

Prof. Dr. med. Lothar Schmidt hielt diese Rede am 26. August 1990 in Illmenau/Thr. aus Anlass des ersten öffentlichen Informationsmeetings in der Noch-DDR.

WORÜBER MEDIZINER BEI AA STAUNEN

Also, ich heiße Lothar und bin ein Freund der AA. Ich muß Euch erzählen, wie es eigentlich dazu gekommen ist: Also, ich habe einen ganz herrlichen Beruf. Einen herrlichen Beruf insofern, daß ich in meinem kurzen Leben bisher etwa mit 90.000 alkoholkranken Freunden zusammenkam. Und das ist ein Kapital, das natürlich auch auf mein Leben entsprechend zurückgeschlagen hat. Mit AA bin ich erst seit 27 Jahren "verheiratet". Das ist schade, denn es ist gewiß eine noch zu kurze Zeit, gemessen an der Größe des Alkoholproblems. Aber diese Zeit hat mich geformt. Und wie ist es dazu gekommen? Ich hatte zwei Kollegen, die einen sagenhaften Abstieg erlitten: Einer, ein Mann, war Oberarzt in einer Universitätsklinik in Berlin, mit den besten beruflichen Aussichten. Dieser Alkoholiker verlor seine Frau durch sein Trinken, verlor seinen Beruf. Er hätte heute gewiß Professor sein können. Er verlor seine Gesundheit, holte sich eine Tuberkulose und verschwand aus meinem Blickfeld. Desgleichen eine Frau, eine Kollegin, die eine ähnliche Entwicklung machte, auch wenn sie nicht in einer Universitätsklinik war; eine Frau, die alles verlor und dann auch aus meinem Dunstkreis ausschied. Und ich habe mit Bestimmtheit gedacht, die beiden seien tot
[hier der ganze Artikel]

Dr. Friedrich Ingwersen hielt diese Rede am 30. April 2004 in Hamburg aus Anlass eines öffentlichen Informationsmeetings im Rahmen des deutschsprachigen Ländertreffens der Anonymen Alkoholiker

SIND DIE ANONYMEN ALKOHOLIKER EIN DEUTSCHER SENIORENCLUB GEWORDEN?

Mein Name ist Fide Ingwersen, ich bin ärztlicher Psychotherapeut und Psychiater, und ich gehöre zu denjenigen Nichtalkoholikern, die dem Zwölf-Schritte-Programm besonderen Dank schulden. Und zwar bin ich den Anonymen Alkoholikern und den Alanon aus zweierlei Gründen dankbar.
Zum einen habe ich durch sie als Arzt seit fünfundzwanzig Jahren ein wertvolles Heilmittel in der Hand, indem ich meinen Patientinnen und Patienten ein nachhaltiges Selbsthilfekonzept und eine funktionierende spirituelle Überlebensrezeptur empfehlen kann – und dies nicht nur für die Alkoholkranken und ihre Angehörigen, sondern auch für viele andere von meinen Patientinnen und Patienten, denen ich die Anonymen Essgestörten, die Anonymen Tablettensüchtigen, die Anonymen Spielsüchtigen, die Emotions Anonymous, die Anonymen Sexaholiker und so weiter nennen kann. Darüber hinaus geben mir persönlich sowohl das spirituelle Gedankengut als auch die überaus pragmatischen Sinnsprüche dieses Programms jeden Tag die wesentliche Kraft für meine mitunter sehr schwierigen ärztlichen Entscheidungen.
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Dr. Walther H.Lechler referiert in seinem Beitrag über die Wirkungsweise des spirituellen Programms der Anonymen Alkoholiker. Thema des Referats:

ALKOHOLISMUS - EINE KRANKHEIT? -

Unter den Publikationswellen der Fachpresse und der Massenmedien über die Gefahren und Auswirkungen des Drogenmißbrauchs wurde das Problem Alkoholismus nahezu völlig begraben. Die in ihrer Protesthaltung bedrohlich erlebte, drogengefahrdete Jugend wurde zum Sündenbock, auf den die Gesellschaft unter dem Kitzel der durch den Begriff "Rauschgift" angeheizten Phantasien alle ihre angestauten unbewußten Schuldgefühle und Ängste abladen konnte. Hinter dem Gischtdunst des Sensationellen verschwand die unbeschreibbare seelische und körperliche Not von inzwischen rund einer Million ,,Alkoholkranken" in Westdeutschland. Diese Zahl der erfaßten ,,Alkohol-Abhängigen" verdoppelt sich mindestens durch die Dunkelziffer derer, die unter dem Mantel der verschiedensten Diagnosen wie ,,Neurovegetative Dystonie", ,,Herz-Kreislaufneurose", "Magen-Darm-Katarrh", "Orthostatische Dysregulation", ,,Psychophysischer Erschöpfungszustsand" usw. die Sprechzimmer und internen Krankenhausabteilungen füllen. Die sicher nicht zu hoch angesetzte Zahl von 1,5 Millionen Erkrankten erweitert sich mindestens um das Drei- bis Fünffache, wenn das unmittelbare, nicht alkoholabhängige, soziale und familiäre Umfeld mit einbezogen wird, in dem ausnahmslos neurotische Verhaltensstörungen verschiedenster Schweregrade zu beobachten sind, die nachhaltig Generationen von Medizinern, Erziehern, Juristen und Politikern beschäftigen werden. Die tiefgreifenden Auswirkungen aller dieser in ihrer Fähigkeit der Lebensbewältigung und Gemeinschaftsbildung gestörten 4--6 Millionen Menschen auf die gesamte wirtschaftliche Struktur eines Staates wird man mit Sicherheit nie ermitteln können. Desgleichen wird die seuchenartige Breitenwirkung im Sinne einer geistigen Ansteckung auf die Verhaltungsbildung nicht abzugrenzen sein.
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Der Suchtberater Berthold Kilian referiert in seinem Beitrag vom Nutzen der Sucht für das Leben. Er fragt in seinem Beitrag:

VERLÄNGERN WIR DURCH HILFE DEN LEIDENSWEG?

Immer wenn Hoffnung aufkommt - wenn wir einen neuen, wirksamen Ansatz gefunden haben - immer wenn die Modelle der Drogenhilfe begonnen werden - dann laufen wir den Süchtigen nicht nur hinterher - nein, wir glauben ernsthaft, dass wir eventuell einen Weg gefunden haben, der ihnen hilft - wir vermuten, dass sie uns nicht mehr entkommen können - dass sie endlich unsere Hilfe haben wollen - wir wünschen uns für uns, dass wir das Problem wenigstens in einigen Bereichen in den Griff bekommen können - aber wir sind machtlos - bekommen es täglich vorgeführt - werden täglich ausgenutzt - werden laufend abgelenkt - werden belogen und nutzen uns ab - aber es ist nichts Neues - so geht es uns ja seit länger als 2 Jahrzehnten.
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